Was können wir von Online-Casinos mit deutscher Lizenz erwarten?

03.12.2020
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Bislang war es so, dass eine offizielle Glücksspiellizenz für ein Online-Casino beste Werbung war, denn mit ihm signalisierte es allen Spielern, dass es hier mit rechten Dingen zugeht.

Die üblichen Bedingungen für den Erhalt einer Lizenz waren bislang zuverlässige Ein- und Auszahlungen, transparente Vertragsbedingungen, korrekt angegebene Ausschüttungsquoten (RTP-Quoten) und Hilfen für suchtgefährdete Spieler. Diese Regeln waren sowohl im Interesse der Spieler als auch der seriösen Anbieter.

In der Folge begann ein regelrechter Run auf Glücksspiellizenzen und viele Anbieter sammelten eifrig die Glücksspiellizenzen mit dem besten Ruf, deren Erhalt sie sich zertifizieren lassen konnten.

Der neue Glücksspielvertrag in Deutschland, der ab dem 1. Juli 2021 in Kraft tritt, wird diesen Trend verändern, denn die mit der Lizenz verbundenen Regularien gehen weit über das hinaus, was international üblich ist. Sie gehen sogar richtig ins Eingemachte, sodass zu befürchten ist, dass eine deutsche Glücksspiellizenz ihren Werbeeffekt verliert und nunmehr eher für ein langweiliges Casino steht, das sich – wiederum völlig gegen internationale Gepflogenheiten – nicht einmal mehr so nennen darf. Eine Glücksspiellizenz aus Deutschland ist nun mit handfesten Nachteilen verbunden, die das andere Extrem zu Casinos ohne Regulierung darstellen. Warum Eidgenossen Online-Casinos mit deutscher Spiellizenz im eigenen Interesse meiden sollten, das erfahren Sie in diesem Artikel.

Zentrale Spielersperrdatei und Gefahren

Zwar beinhaltet der neue Glücksspielvertrag einige sinnvolle Massnahmen für den Spielerschutz, die das Spielen mit Verantwortung erleichtern. Sämtliche Ein- und Auszahlungen müssen zum Beispiel für den Spieler einsehbar sein und er muss regelmässig an sein Spielverhalten erinnert werden, wenn er online um Geld spielen möchte. Ein Frühwarnsystem soll auffälliges Spielverhalten erkennen, um Spielern entsprechende Hinweise zu geben und sie gegebenenfalls vor sich selbst zu schützen. Ausserdem muss ein Panik-Knopf installiert werden, sodass Spieler, die beim Spielen merken, wie ihnen allmählich die Kontrolle entgleitet, sich für 24 Stunden freiwillig sperren lassen können.

Diese Sperre erstreckt sich nicht nur auf das deutsche Online-Casino (oder wie auch immer es zukünftig heissen wird), sondern auf sämtliche vergleichbare Spielangebote im Internet. Für die Vergabe der deutschen Spiellizenz müssen die Anbieter deshalb die Anbindung an eine neu eingeführte Spielersperrdatei gewährleisten, in der relevante Daten zum eigenen Spielverhalten aufgeführt sind. Kritiker befürchten die Gefahr eines Missbrauchs und thematisieren die mit der zentralen Spielerdatei einhergehende Gefahr, dass Hacker an die sensiblen Daten gelangen könnten. Der Schaden wäre weitaus grösser als bisher, wo sich die Daten bislang nur auf einen einzigen virtuellen Spieltempel bezogen haben.

Überraschende Verbote

Noch viel grösser sind allerdings die Nachteile durch diverse Verbote, mit denen niemand rechnen konnte und die deshalb bei der deutschsprachigen Spielergemeinschaft eingeschlagen haben wie eine Bombe. Das Verbot, seinen Spieltempel Online-Casino zu nennen und seine Angebote Casinospiele, hat nämlich nicht nur linguistische Auswirkungen im Sinne eines Babylonischen Sprachgewirrs. Sie berühren vielmehr den Wesenskern dessen, was ein gutes Online-Casino für Spieler ausgemacht hat und wirken sich stark auf die Attraktivität des Spielangebots aus, das selbstverständlich bei der Suche nach einem Online-Casino das wichtigste Kriterium bleibt.

Da ein Online-Casino also nicht mehr Casino heissen darf, darf es auch keine Spiele mehr anbieten, die für ein Casino oder eine Spielbank typisch sind. Dabei geht es um Tischspiele wie Roulette, Blackjack und Baccarat. Live-Dealer-Spiele fallen ebenso unter den Hammer wie Rubbellose. Negative Effekte der deutschen Spiellizenz könnten sich auch auf die RTP-Quote auswirken, die findige Spieler längst miteinander vergleichen. Denn anders als die 5 % Steuern, die in Deutschland bislang für Sportwetten üblich waren, erhebt der Staat nunmehr Spielsteuern auf Online-Glücksspiele von 18 %.

Durch die externe Steuerung verschiebt sich der Fokus deutscher Online-Spieltempel auf die Automatenspiele. Aber auch bei diesen gibt es im Vergleich zu internationalen Online-Casinos, die natürlich weiter so heissen werden, einige Nachteile. Neben höheren RTP-Quoten fallen sämtliche Slots weg, die an einen Jackpot oder Bonus gekoppelt waren. Die Spielautomaten dürfen kein Autoplay und keinen Turbospin mehr umfassen; die einzelnen Drehs müssen mindestens fünf Sekunden lang dauern. Ausgegeben werden darf pro Spin nur noch maximal ein Euro. Auch hier kommt es also zu ungeliebten Verflachungseffekten.

 

Titelbild: Virrage Images – shutterstock.com


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